Der Fischschuppengarten
Eine aquamarin funkelnde Fischschuppe im Ufergras ließ
vor meinen Augen einen buddhistisch inspirierten Trockengarten mit Millionen Schuppen - als Repositorium der Fische
selbst - wie Blüten oder Preziosen oder Flußkiesel entstehen.
Er symbolisiert den großen Ozean der Leerheit (無の大海),
dessen Wasser als Medium formloser Indifferenz dazu
einlädt, auch über die Differenzauflösung der verschiedenen
Ausformungen des Seienden und damit ihrer Egalität nachzudenken. Der Wind trägt die Schuppen nach und nach in
das tiefe Blau zurück.




Um diesen Garten Wirklichkeit werden zu lassen, sammelte
ich fünf Jahre aus den Abfällen der Fischfangindustrie die
Schuppen, wusch sie, legte sie auf Papierbahnen zum Trocknen aus und ließ jede einzelne von ihnen, wie ein Gärtner,
der mit jeder Pflanze seines Gartens vertraut werden möchte,
durch meine Finger rieseln, um ihre Klänge und über die
Texturen ihre erlebte Zeit zu erfahren.









Realisiert wurde der Garten auf einer unbewohnten Insel
im norwegischen Meer. Der Regisseur Victor Kossakovsky
machte daraus den Film ›Trillion‹.

Der Fischschuppengarten ist allen Fischwesen und meiner verstorbenen
Schwester Lara gewidmet.
Bildlegenden
- 1 Fischschuppe am Flussufer
- 2 Fischschuppengarten auf einer norwegischen Insel
- 3–4 Trocknung der Schuppen auf einem Heuboden
- 5 Trocknung der Schuppen auf meinem Dachboden
- 6–13 Fischschuppengarten auf einer norwegischen Insel
- 14 Filmstill aus ›Trillion‹, ©Sant&Usant, Louverture Films, 2025 Verwendung mit freundlicher Genehmigung